CDU-Antrag: REGIONALE 2025 Projektidee “Digitaler Wissenscampus”

Fabian Tigges
Rede für den Haushalt 2019
11. Dezember 2018
CDU-Pressemitteilung: Wirtschaft. Wissenschaft.Wohnen.
13. Dezember 2018

Lesen Sie hier den ausführlichen Antrag der CDU-Ratsfraktion zu ihrer REGIONALE Projektidee:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Ahrens,
die CDU-Fraktion beantragt den oben genannten Tagesordnungspunkt für die nächste Sitzung des Rates am 05.02.2019.

Begründung:
Wie leben wir im Jahr 2040? Geht es nach den Vorstellungen der CDU, so fahren in Iserlohn zukünftig Busse fahrerlos, forschen Studentinnen und Studenten der Iserlohner Fachhochschulen an digitalen Zukunftstechnologien und arbeiten Startups in „Co-Working Spaces“ am Bahnhof eng zusammen.

Für die CDU Fraktion im Rat der Stadt Iserlohn bietet die REGIONALE 2025 eine große Chance für eine nachhaltige Entwicklung unserer Stadt. Wir freuen uns, dass Südwestfalen so kurz nach der REGIONALE 2013 erneut den Zuschlag für das Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen bekommen hat. Anfang 2019 startet die kreative Phase der REGIONALE mit der Suche nach den besten Ideen für unsere Region. Die CDU möchte, dass sich möglichst viele gesellschaftliche Gruppen und Institutionen in Iserlohn an diesem Ideenfindungsprozess beteiligen. Den Rahmen hierzu kann der von der CDU und den Bündnis 90/Die Grünen beantragte und in diesem Jahr begonnene Prozess „Mein Iserlohn 2040“ zur Neuaufstellung des Stadtentwicklungskonzepts sein.

Die CDU Fraktion hat sich in den vergangenen Wochen intensiv mit den Themen Mobilität, Gesundheit, Kultur, Stadt- und Ortsteilentwicklung sowie Bildung und Wirtschaft beschäftigt. Unser Ziel war es, u.a. unsere Ideen zur Entwicklung des
Geländes rund um die Alexanderhöhe zu bündeln und mit dem Schwerpunkt Digitalisierung weiterzuentwickeln. Das Gelände an der Alexanderhöhe und die brachliegende Fläche am alten Güterbahnhof bieten sich aus unserer Sicht ideal als Entwicklungsfläche für die REGIONALE 2025 an. Nachfolgend haben wir unsere Ideen für eine Bewerbung der Stadt Iserlohn für die REGIONALE 2025 zusammengefasst:

1.Veranstaltungshalle an der Alexanderhöhe
Iserlohn braucht eine multifunktionale Veranstaltungshalle als Anbau an das Parktheater. Hier muss es zukünftig wieder möglich sein, neben Großveranstaltungen (z.B. Kongresse, Messen, Betriebsfeste, Abibälle und das Schützenfest), auch Kulturveranstaltungen (z.B. Konzerte, Kabarett, etc.) durchführen zu können. Eine Veranstaltungshalle wäre eine hervorragende kulturelle Ergänzung zu den Angeboten im Parktheater. Darüber hinaus sollte die Veranstaltungshalle mit modernster Medien- und Konferenzraumtechnik ausgestattet werden und den Iserlohner Hochschulen die Möglichkeiten bieten, z.B. Vorlesungen, Seminare, etc. in multifunktionalen Räumen durchzuführen. Durch die Studentinnen und Studenten der Fachhochschule könnten Teile der Veranstaltungshalle ganzjährig ausgelastet werden. Der großzügige Park an der Alexanderhöhe muss nach Auffassung der CDU erhalten werden. Hier könnten neben dem Schützenfest auch weitere Outdoor-Veranstaltungen stattfinden. Darüber hinaus könnte der Park für die Studentinnen und Studenten als Campus dienen.

2. Innovationszentrum/Data Science
Auf der Fläche rund um das Parktheater soll aus Sicht der CDU ein Innovationszentrum für Forschung und Lehre der Hochschulen in Iserlohn entstehen. Die Fachhochschule Südwestfalen stößt am Frauenstuhlweg an der Alexanderhöhe perspektivisch an ihre baulichen Grenzen. Eine Erweiterung der Gebäude gestaltet sich genehmigungstechnisch schwierig. Nach unseren Vorstellungen könnten neben dem Neubau der Veranstaltungshalle als Anbau an das Parktheater zukünftig moderne Hochschulgebäude entstehen, in denen an digitalen Zukunftstechnologien gearbeitet wird.

Data Science, die Wissenschaft aus Daten Wissen zu ziehen, damit beschäftigen sich Informatiker, Programmierer und Datenbankmanager aber genauso gut auch Archivare und Bibliothekare. Sowohl die Fachhochschule Südwestfalen als auch
die University of Applied Sciences Europe bieten bereits in Iserlohn Studiengänge in diesem Fachgebiet an. Trotz vielversprechender Ansätze steht der Einsatz solcher Fachkräfte im betrieblichen Bereich noch am Anfang. Deshalb bietet sich engagierten Unternehmen ein großes Potential, sich von Mitbewerbern abzusetzen und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts betonen, dass es zwingend erforderlich ist, auch bereits im Berufsleben befindliche Personen weiterzubilden. Viele dieser hochqualifizierten Arbeitnehmer sind in Produktionsprozesse eingebunden und haben einen Überblick über die gesamte Bandbreite der Wertschöpfung in den betreffenden Unternehmen. Ziel muss es sein, auch diese Arbeitnehmer in die Lage zu versetzen, strukturiert die im Unternehmen produzierten Daten zu analysieren.
Auf Grund der mittelständischen Wirtschaftsstruktur und der demographischen Entwicklung steht Südwestfalen hier vor einer besonderen Herausforderung. Eine Lösung könnte die Gründung eines Instituts oder eines sogenannten Hubs sein, die sich mit Data Science speziell für den Mittelstand aber auch für kreisangehörige Kommunen beschäftigen und berufsbegleitende Weiterbildung in Zusammenarbeit mit unseren Fachhochschulen organisieren. Mit der Ausbildungsgesellschaft Mittel-Lenne und dem Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft befinden sich weitere mögliche Kooperationspartner im Stadtgebiet.

Seit Anfang 2017 erforscht u.a. die Fachhochschule Südwestfalen, wie Datenbrillen Handwerker bei ihrer täglichen Arbeit unterstützen können. Ziel des Projekts aus dem Bereich Virtuelle Realität ist es, effektives Lernen in die täglichen Arbeitsabläufe zu integrieren und erfahrenen Mitarbeitern im Handwerk zu ermöglichen, ihr Wissen ohne großen Zeitaufwand an jüngere Kollegen weiterzugeben. Nur ein Beispiel, wie innovativ die Fachhochschulen in Iserlohn gemeinsam mit der heimischen Wirtschaft Zukunft gestalten.

3. Autonomes Fahren
Iserlohn soll einen ersten Schritt in die neue mobile Zukunft gehen: Der aktuell bestehende Buspendelverkehr zwischen Stadtbahnhof und Fachhochschule am Frauenstuhlweg wird durch autonom fahrende Busse ersetzt werden, die dann nicht nach einem festen Fahrplan, sondern nach den tatsächlichen Bedürfnissen der Studentinnen und Studenten verkehren sollen. Das gemeinsame Projekt von Stadtwerke Iserlohn, der Märkischen Verkehrsgesellschaft und der Fachhochschule, welches zum 01. Januar 2019 startet, hat das übergeordnete Ziel, im Rahmen der digitalen Stadtentwicklung und Smart-City-Lösungen die Infrastruktur zum Campus am Frauenstuhlweg mithilfe eines autonomen Busbetriebes für Studierende und Mitarbeiter der FH nachhaltig und langfristig zu verbessen und dabei gleichzeitig das autonome Fahren im ÖPNV anwendungsorientiert zu erforschen.

4. Smarte Stadtbibliothek
Vor dem Hintergrund des digitalen Wandels, also der Vielfalt an digital verfügbaren Informationen, haben sich Bibliotheken und ihre Dienstleistungen stark gewandelt. Früher standen die Bücher im Vordergrund, heute sind es die Besucher. Die neue Iserlohner Stadtbibliothek soll nach Auffassung der CDU in Zukunft zum Treffpunkt für Jung und Alt werden. Neben den Flächen für Bücher und Medien könnten Lese- und Veranstaltungsräume oder eine Spielfläche in einer Kinderbibliothek entstehen. Auch sogenannte „Maker spaces“, das sind Werkräume, in denen Kinder und Jugendliche unter Anleitung von Ingenieurstudenten experimentieren können. Eine weitere Idee der CDU: Die Stadtbibliothek könnte intensiv mit anderen Bibliotheken, z.B. der Fachhochschulen aber auch der Schulbibliotheken kooperieren. Diese Vernetzung wäre ein echter Mehrwert für die unterschiedlichen Nutzergruppen. Abgerundet werden könnte der Neubau/Umbau am Bahnhof durch ein gastronomisches Angebot.

5. Smartes Hotel
Hotels, die den eigenen Service auf die Bedürfnisse des modernen Gastes anpassen, bezeichnen sich als Smart Hotel. Check-in, Tischreservierungen und Bezahlung erledigt der Gast selbstständig via App, wenn er dies möchte. Auch Nachhaltigkeit und Klimaschutz ist ein Muss für ein modernes Stadthotel. Diese Gebäude werden mit modernster Gebäude- und Energieversorgungstechnik ausgestattet. Entstehen könnte ein solches Haus direkt auf dem Bahnhofsgelände an der Rahmenstraße. Verkehrsgünstig gelegen könnte so das Hotel eine Visitenkarte für Iserlohn werden und darüber hinaus die Bahnverbindung in die Waldstadt aufwerten.

6. Boarding Houses/Wohnen auf Zeit
Boarding Houses sind Apartments, welche in der Regel von Unternehmen für kurzzeitig angeworbene Fach- und Führungskräfte angemietet werden. Serviceleistungen eines Hotels, wie Wäscheservice oder Halbpension können dazu gebucht werden.

7. Co-Working Spaces
Auf der zurzeit brachliegenden Bahnhofsfläche könnten u.a. innenstadtnahe Büroflächen für neue Arbeitsformen entstehen. In sogenannten „Co-Working Spaces“, also offenen Bürogemeinschaften, können z.B. Freiberufler, Kreative und Startups zusammenarbeiten und voneinander profitieren. Es werden Arbeitsplätze und entsprechende Infrastruktur, vom Telefon bis hin zu Besprechungsräumen, zeitlich befristet zur Verfügung gestellt und ermöglichen so die Bildung einer Gemeinschaft, die sich gegenseitig mit Ideen befruchtet. Mit dem „Office & Friends“ gibt es bereits ein erstes, sehr erfolgreiches Co-Working Space in Iserlohn. Während die Stadtverwaltung gegenwärtig einen erhöhten Raumbedarf hat, wird für die „Verwaltung der Zukunft“ im Rathaus eher weniger Raum benötigt werden. So könnten auch Teile der Iserlohner Stadtverwaltung (z.B. das Stadtmarketing oder die Wirtschaftsförderung) Nutzer dieser Co-Working Spaces werden.

8. Intelligentes, zentrumsnahes und generationenübergreifendes Wohnen
Wohnen der Zukunft ist auf dem Projektareal unterhalb der Alexanderhöhe ebenfalls denkbar, erste Überlegungen auch zur Vereinbarkeit von generationsübergreifendem Wohnen wurden in den vergangenen Monaten vorgestellt. Stadtnahes, attraktives Wohnen ist ein wichtiger Aspekt für die Zukunft Iserlohns.

9. Dienstleistungen der Stadt vernetzen: Die Servicepunkte in den Ortsteilen
Eine bürgerfreundliche Verwaltung zu schaffen, in der verschiedene Dienstleistungen für alle Bürger online nutzbar gemacht werden, ist unser erklärtes Ziel. Dennoch darf die persönlich Betreuung und Beratung durch Ansprechpartner vor Ort nicht verloren gehen, im Gegenteil, sie muss optimiert werden. Denkbar für die CDU wären Servicepunkte in den einzelnen Ortsteilen, wo neben den Angeboten der Stadtverwaltung, auch weitere Dienstleistungen z.B. von den Stadtwerken, der Sparkasse, der IGW, Post oder Stadtbibliothek angeboten werden könnten. Mithilfe einer elektronischen Checkkarte könnten an den Service-Terminals z.B. Meldebescheinigungen online bestellt und mittels ePayment-Lösung bezahlt werden – ohne einem Termin im Rathaus. Ziel soll aber darüber hinaus auch sein, dass neben den schnellen, digitalen Angeboten natürlich ebenso persönliche Beratung vor Ort stattfinden kann. Wir sehen die Servicepunkte als zusätzliche Dienstleistung zu den bereits vorhandenen Bürgerbüros in Iserlohn, Hennen und Letmathe.

Unser Projekt hat gute Chancen innerhalb des Qualifizierungsprozesses der REGIONALEN, da es die relevanten Aspekte Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Authentizität (DNA) aufweist. Unsere Idee verknüpft lokale Gegebenheiten mit zukunftsfähigen Ideen ohne dabei die Stärken, Traditionen und Eigenschaften unserer Heimatstadt zu übergehen. Im Gegenteil. Es erhöht die Attraktivität Iserlohns als Arbeits- und Ausbildungsstandort und schafft eine bessere Aufenthalts- und Lebensqualität. Zeitgleich trägt das Projekt dazu bei, aktuelle und künftige Herausforderungen, insbesondere im Zuge der digitalen Transformation, zu bewältigen und die Zukunftsfähigkeit Iserlohns und Südwestfalens zu stärken.

Mit freundlichen Grüßen

Fabian Tigges                                                                  Michael Schmitt
CDU-Fraktionsvorsitzender                                         stellv. CDU-Fraktionsvorsitzender

Eva Kirchhoff
stellv. CDU-Fraktionsvorsitzende

Thorsten Schick                                                              Karsten Meininghaus
1. stellv. Bürgermeister                                                  3. stellv. Bürgermeister