Iserlohn-Sümmern. Ein seltenes Bild bot sich kürzlich im Werk von Kirchhoff Automotive: Mehrere Regierungsfahrzeuge mit hoher Sicherheitsstufe trafen ein, um den Besuch von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu begleiten. Die Ministerin nutzte die Gelegenheit, um einen Einblick in die Produktion eines familiengeführten Mittelstandsunternehmens zu gewinnen und sich über die Herausforderungen der Automobilbranche zu informieren. Begleitet wurde sie von einer größeren Delegation sowie der Bürgermeisterkandidatin Burcu Öcaldi.
Der Standort in Sümmern beschäftigt derzeit rund 500 Mitarbeitende, weltweit sind 14.000 Beschäftigte auf fünf Kontinenten tätig. Produktionsleiter Thomas Lozinski führte die Gäste durch die Fertigungsbereiche und erläuterte die einzelnen Schritte – vom ersten Leiterplatten-Layout bis zum fertigen Produkt. Aufgrund der Lärmpegel waren die Besucher mit Kopfhörern ausgestattet, und Lozinski trug ein Mikrofon, um alles verständlich zu machen.
„Weltmarktführer durch Innovation“ Im Anschluss an die Betriebsführung betonte Reiche die Bedeutung des industriellen Mittelstands für das Sauerland und ganz Deutschland: „Hier zeigt sich die Stärke des deutschen Wirtschaftsmodells, das auf sogenannten ‚Hidden Champions‘ basiert. Unser Ziel ist es, diese Unternehmen vor Ort zu erhalten und zu fördern.“ Für die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes seien Investitionen entscheidend, so die Ministerin. Sie hob hervor, dass die Automobilbranche in den letzten Jahrzehnten zahlreiche Anpassungen durchlebt hat und die Unternehmen hier in der Region beeindruckend resilient geblieben sind.
Obwohl Kirchhoff weltweit wächst, sieht Arndt G. Kirchhoff den Standort Deutschland vor erheblichen Herausforderungen. Die jüngsten Rückgänge im Wachstum in den letzten zwei Jahren bedauert er, sieht diese jedoch nicht bei der Belegschaft, die hervorragende Arbeit leistet. Stattdessen legt er den Finger auf systemische Schwachstellen, die durch politische Rahmenbedingungen verbessert werden müssten. „Ich unterstütze die Aussagen der Bundesministerin voll und ganz im Namen der deutschen Industrie, des Handwerks und der Bauwirtschaft“, betonte Kirchhoff.
Unterstützung für Reiches Positionen In den vergangenen Tagen sorgten Reiches Äußerungen zu längerer Arbeitszeit und Rentenreformen für kontroverse Diskussionen. Sie betonte die Notwendigkeit, mehr und länger zu arbeiten, um die Stabilität unserer Sozialsysteme zu sichern. Kirchhoff teilt diese Ansicht: „Nur durch längere Arbeitszeiten können wir unsere gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ziele erreichen. Fragen Sie Ihre Kinder, wie ihre Rente aussehen soll.“ Auf die Frage, ob Mitarbeitende länger im Beruf bleiben sollten, antwortete Kirchhoff, dass jeder die Freiheit haben sollte, selbst zu entscheiden: „Wer kann, darf gerne weiterarbeiten.“ Dabei verwies er auch auf Mitarbeiter, die gerne noch länger im Betrieb bleiben würden, um soziale Kontakte zu pflegen.
Ein weiteres Thema, das Kirchhoff thematisierte, sind die hohen Sozialkosten. Er zeigte auf, dass täglich über fünf Millionen Menschen Zahlungen wie Wohngeld, Heizkostenzuschüsse und Energiezuschüsse erhalten. Diese Unterstützung müsse auch auf die Steuerzahler umgelegt werden. „Jeder in der Belegschaft sollte Energie sparen und Kosten reduzieren, während andere diese Hilfen in Anspruch nehmen“, mahnte er. Er appellierte an die Politik, die Bürokratie zu verringern, um den sozialen Frieden zu sichern: „Wenn sich hier nichts ändert, wirkt sich das auf die gesamte Gesellschaft aus – und das ist im Interesse aller.“