IKZ-Interview: “Iserlohn fehlt die Aufbruch-Stimmung”

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CDU-Fraktionschef Fabian Tigges und seine Stellvertreterin Eva Kirchhoff im Interview mit dem Iserlohner Kreisanzeiger:

 

Iserlohn. Fabian Tigges (33) ist seit vier Jahren Fraktionsvorsitzender der CDU im Stadtrat. Mit 29 hat er die Verantwortung übernommen. Die CDU hat hinter sich, was der SPD noch bevorsteht – ein Generationswechsel in der Spitze. Ein deutlicher Vorteil zwei Jahre vor der Kommunalwahl 2020, wie Tigges und seine Stellvertreterin Eva Kirchhoff sagen. Über Defizite, Chancen und Perspektiven in Iserlohn sprechen sie im Interview.

 

Wo steht die CDU zwei Jahre vorder nächsten Kommunalwahl?

Tigges: Wir sind in der glücklichen Situation, dass wir uns als Team gut eingespielt haben, Eva Kirchhoff ist seit Ende 2017 Stellvertreterin im Fraktionsvorstand. Wir haben also den Vorteil, dass wir uns nicht um die Fraktion kümmern müssen, sondern wir uns als Fraktion um die Stadt kümmern können.
Wie sehen Sie Iserlohn heute?
Tigges: Unsere Stadt hat mehr Potenzial, als wir heute nutzen. Es bleibt dabei, was wir 2014 im Wahlkampf gesagt haben. Iserlohn kann mehr, leider verkaufen wir uns immer noch unter Wert. Das fängt damit an, dass es meiner Meinung nach an der Stadtspitze an Selbstbewusstsein fehlt. Wir haben leider keinen Bürgermeister, der meiner Meinung nach die Stadt hinter sich vereinen und innovativ voranbringen kann.
Haben Sie ein Beispiel?
Tigges: Wir wollen keine Vergangenheitsbewältigung machen. Aber wir haben viele Projekte, viele Baustellen hier, aber keines, das ich als Leuchtturmprojekt benennen und in Verbindung mit dem amtierenden Bürgermeister bringen würde. Es fehlt die Aufbruchstimmung.
Stichwort Alexanderhöhe . . .
Tigges: Da sind wir wieder beim Thema Selbstbewusstsein. Wir können es uns unserer Meinung nach in Iserlohn nicht erlauben, auf Jahre hin keine vernünftige große Veranstaltungshalle zu haben. Wir denken an der Stelle weiter. Wir haben sehr viel Geld in den Fördertöpfen des Landes und des Bundes. Also denken wir an ein Modellprojekt.
Kirchhoff: Für uns hat eine Veranstaltungshalle auf der Alexanderhöhe die gleiche Priorität wie der Schillerplatz. Das sehen wir ganz anders als die SPD, der das nicht so wichtig ist. Wir müssen bei dem Thema auch an die jungen Menschen in unserer Stadt denken. Eine attraktive Veranstaltungshalle ist gut fürs Gesamtbild der Stadt. Bei den Angeboten für junge Menschen haben wir Defizite. Wir sehen das an der Prognose für die Bevölkerungsentwicklung.
. . . die ja negativ ist . . .
Kirchhoff: Für uns ist das eine Prognose. Das ist nichts, woran man nichts mehr ändern kann. Deshalb sehen wir das als Gesamtpaket, wenn wir darüber sprechen, die Stadt attraktiv zu gestalten für junge Menschen, für Familien. Ich denke an Wohnen, an Freizeit, Sport, auch Gastronomie und Veranstaltungen.
Tigges: Ein Thema, das dazu passt, ist auch, dass ich mir vorstelle, Iserlohn sollte digitales Zentrum der Region werden. Das ist für die CDU ein zentrales Thema.
Sie sind stärkste Fraktion im Rat, haben aber nicht die Mehrheit . . .
Tigges: Das ist unser wichtigstes Ziel für die nächste Kommunalwahl. Wir wollen als Fraktion noch stärker werden und die Bürgermeisterin oder den Bürgermeister stellen, damit wir in Iserlohn weiter kommen. Die Stadt kann mehr.
Was ist aus ihrer Sicht beim Thema Obere Mühle schief gelaufen?
Tigges: Vom Grundsatz her hat die Stadt zwar die richtige Entscheidung getroffen, die Zustände dort nicht mehr hinzunehmen, aber die Art und Weise war schlecht, das ist der eigentliche Skandal dabei. Die Kommunikation war ein Riesendesaster. Das ist sinnbildlich für vieles in der Verwaltungsspitze. Die Leute werden nicht richtig mitgenommen, nicht ernst genommen und auch die Politik war nicht gut informiert.
Wo sieht die CDU Schwerpunktebei der Stadtentwicklung?
Kirchhoff: Wir müssen vor allem alle Teile Iserlohns auf dem Weg der Stadterneuerung mitnehmen, denn das betrifft alle Quartiere. Beim Thema Schillerplatz bin ich für eine gewisse Entschleunigung. Wir müssen zum Beispiel sauber untersuchen, welche Bedingungen wir dort vorfinden. Als Architektin weiß ich, wie wichtig das ist. Dann erst können wir seriös etwas zu Kosten und Investoren sagen. Dann müssen wir darüber reden, was wir am Schillerplatz haben wollen. Wir als CDU können uns dort auch ein Bürgerbüro gut vorstellen. Aber wir sollten alle Generationen einbeziehen und uns die Vorschläge anhören.
Was wünschen Sie sich für das Stadtmarketing der Zukunft?
Kirchhoff: Auch hier gilt, Iserlohn kann mehr. Das haben wir jüngst beim Beispiel Dechenhöhle gesehen. Wir nutzen den Faktor Tourismus kaum. Auch die Roosters werden weiterhin stiefmütterlich behandelt.
Bei der Bürgerbeteiligung gehen die„Blauen“ neue Wege. Müssen Sie darauf reagieren?
Kirchhoff: Das haben die nicht neu erfunden, wir haben das Format „CDU im Dialog“. Aber richtig ist, dass es eine Schwellenangst gibt, ins Rathaus zu gehen oder Politiker anzusprechen.
Das Parkhaus am Seilersee ist vertagt, wie steht die CDU dazu?
Tigges: Die Stadt hat nach der Mai-Ratssitzung weitere Arbeitsaufträge erhalten, wir warten auf Ergebnisse.
Kirchhoff: Wir als CDU wollen das Parkhaus nicht, an dieser Haltung werden wir nichts ändern. Es wäre für die Stadt eine unzumutbare Dauerbelastung.
Quelle Bild und Text: Frank Jungbluth und Stefan Drees // IKZ vom 16.06.2018 // https://www.ikz-online.de/staedte/iserlohn/iserlohn-fehlt-die-aufbruch-stimmung-id214599171.html